© Helmut Walter / Stefan Eibelwimmer
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Taumel und Tumult

Eine pandemische Posse

mit Nadine Breitfuß , Martin Brunnemann , Anna Maria Eder , Sven Sorring
Regie: Florian Pilz
Bühne: Michaela Mandel
Kostüme: Antje Eisterhuber
Lichtgestaltung: Christian Leisch
Musik: Gilbert Handler
Choreografie: Doris Jungbauer
Dramaturgie: Silke Dörner
Uraufführung: 14.09.2021
Aufführungsort: Saal
Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Ein Hotel in der Innenstadt, chronisch unterbelegt und gespenstisch still. Hier harren seit Ausbruch der Pandemie Hotelmanager Gregori, Portier Adam und Zimmermädchen Luzia der Dinge und hoffen auf bessere Zeiten.
Dann, nach 142 Tagen, endlich der erste Gast: Frau Conradi, mit C. Das verheißt Aufbruchsstimmung nach einem tristen Jahr ohne Kundenkontakt, ohne Berührungen. Zwar macht ein Gast allein noch keinen Frühling, aber bei Gregori weckt es die Hoffnung auf einen Neuanfang und die Schmetterlinge in seinem Bauch. Vor allem, als er einen vermeintlichen Liebesbrief von Frau Conradi mit C. erhält. Doch da dieser Brief leider nicht der einzige ist, der vom Himmel fällt, nimmt das Spiel von Zufall und Verwechslung seinen Lauf. Einzig Adam hat noch einen Hauch von Überblick und fortan alle Hände voll zu tun, die schicksalhafte Post an die richtige Frau, den richtigen Mann zu bringen.

Thomas Arzt ist mit „Taumel und Tumult“ eine herrlich skurrile Posse gelungen. In bester Komödientradition eines Nestroy oder Goldoni entspinnt er seine Geschichte um Missverständnisse durch schicksalhaft fehlgeleitete Briefe und zeigt Menschen und ihre Existenz in pandemischen Zeiten – berührend und komisch zugleich.

Fotos

Nadine BreitfußSujet: Helmut Walter
Sven Sorring, Anna Maria Eder© Helmut Walter
Sven Sorring, Nadine Breitfuß© Helmut Walter
Martin Brunnemann© Helmut Walter
Martin Brunnemann, Sven Sorring© Helmut Walter
Anna Maria Eder, Sven Sorring, Nadine Breitfuß, Martin Brunnemann© Helmut Walter
Anna Maria Eder, Martin Brunnnemann© Helmut Walter
Sven Sorring, Martin Brunnemann© Helmut Walter
Martin Brunnemann, Anna Maria Eder© Helmut Walter
Anna Maria Eder, Martin Brunnnemann© Helmut Walter
Martin Brunnemann, Nadine Breitfuß© Helmut Walter
Nadine Breitfuß, Sven Sorring© Helmut Walter
Anna Maria Eder, Martin Brunnnemann© Helmut Walter

Trailer

Pressestimmen

Eine köstliche Corona-Impfung

Peter Grubmüller, Oberösterreichische Nachrichten, 16.12.2021

Theater Phönix: Mit „Taumel und Tumult“ wird die Pandemie zum dramatischen Vergnügen.
„Und jetzt also wieder Theater. In Präsenz. So normal bereits wieder an manchen Tagen, an denen alles so tut, als sei's lang schon vorbei, und doch unaufhörlich fragil“, schreibt Thomas Arzt im Programmheft zur Uraufführung seines Stücks „Taumel und Tumult“. Am Dienstag eröffnete damit das Linzer Theater Phönix die neue Spielzeit. Und einmal mehr offenbart der Sçhlierbacher Dramatiker damit sein feines Sensorium für kleine Gesellschaftskrankheiten und auf die Spitze getriebene Verwahrlosungen. Regisseur Florian Pilz hat die pandemische Posse zu einer wunderbar unterhaltsamen Impfung gegen Abstandsregelungen, maskierte Vereinsamung und Depressionen gestaltet.
Nach 142 Lockdown-Tagen ohne Gast ist Hotel-Manager Gregori (Martin Brunnemann) suizidgefährdet, seine Frau hat ihren Kampf gegen Corona fatalerweise verloren. Empfangschef Adam (Sven Sorring) und Service-Mitarbeiterin Luzia (Nadine Breitfuß) halten den Laden so gut es geht in Schuss, zumindest ist das Klopapier-Lager gefüllt. Mit einem Mal steht sie da, Frau Conradi (Anna Maria Eder). sie hat dienstlich in der Stadt zu tun, es kommt wieder Leben in die Bude – und in die Körper. Aber die Pandemie hat die Routinen verwandelt: Gespräche führt man nun auf Distanz, in einem fort wird desinfiziert, wer sich die Hand gibt, riskiert quasi sein Leben. Aus diesem Gerüst bauen Arzt und Pilz eine Verwechslungskomödie im Nestroyschen Sinn. Es fallen Briefe vom Himmel, die zuverlässig beim falschen Adressaten landen, als würde das Schicksal würfeln. Da wird Conradi postalisch gekündigt, ihre neue Freiheit will sie lustvoll mit dem ebenso irrtümlich angespitzten Gregori ins Freie lassen. Dessen Liebesgeständnis wird auf dem Postweg gegen Adams Versöhnungszeilen für Luzia verwechselt.
Aus dem Haus zu gehen, bläht sich zum frostigen Abenteuer auf, gesoffen wird fortan auch ohne Corona-Begründung, und kaum entschlüsselt sich Conradis Jobverlust wegen des kurzen Konjunktur-Durchhängers als Missverständnis, war's das wieder mit der fleischlichen Leidenschaft.
Die Rückkehr zu einer Art Normalität heilt nicht die Krankheiten, die Ramponierung des Menschen ist bloß wieder wie eh und je.
Die Phönix-Truppe weidet sich in ihren komödiantischen Talenten. Sorring ist weißer Clown und dummer August in einem. Brunnemann spielt eine depressive Seele zum Abbusseln. Breitfuß stattet ihre eifrige Luzia mit entzückend weichem Kern aus, und Eder verwandelt sich von der distanzierten Karrieristin zur lustvollen Draufgängerin und wieder zurück. Dazu braucht es nicht mehr als diesen klugen Text, dem kunstvoll manche Verben fehlen. Darüber hinaus einige Metallrahmen, die Räume und mit Plastik-Verhüllung Isolation markieren (Bühne: Michaela Mandel, Kostüme: Antje Eisterhuber). Außerdem die Bereitschaft, sich trotz der Pandemie zum Lachen verführen zu lassen. Langer, lustvoller Applaus.
Fazit: Eineinhalb Stunden, die unverkrampft unsere neuen Gewohnheiten überhöhen. Wer sich bei „Taumel und Tumult“ amüsiert, kann auch über sich selbst lachen.

Komik und Melancholie der Pandemie

Christian Pichler, Volksblatt, 16.09.2021

Prächtig: Uraufführung von Thomas Arzt „Taumel und Tumult“ im Linzer Theater Phönix
Regenprasseln auf Plastikplanen. Oder sollte man froh sein? Fast ein ganzes Theaterstück lang lauert in der fabelhaft sich anschmiegenden Musik von Gilbert Handler der Klassiker „Singin' in the Rain". Und tatsächlich legt dann das Schauspielquartett einen vergnüglichen Tanz mit bunten Regenschirmen aufs Parkett. Wer hätte das gedacht, das Linzer Theater
Phönix als Musicalbühne.
„Taumel und Tumult“ des Schlierbachers Thomas Arzt fängt ungemein treffsicher die Stimmung der Gegenwart ein. Eine nicht näher benannte Pandemie, bei einem Huster wird eiligst ein Kübel über den Kopf gestülpt. Aerosolalarm! Melancholisch und komisch, grotesk und warmherzig, der Humor selten schwarz („Ihre Liebe ist verstorben, meine ist nicht mal auf der Welt!“).
Uraufführung von „Taumel und Tumult“, einem Auftragswerk des Phönix, war am Dienstag ebenda. Regisseur Florian Pilz setzt den Text prächtig auf die Bühne. Kurzweilig und rasant, mit tollem Händchen für das Zusammenspiel der Figuren. Schauplatz ein heruntergekommenes Hotel, seit Ewigkeiten ohne Gast. Michaela Mandel gestaltete eine gefinkelt durchdachte Bühne aus besagten Planen. Sinnbild für eine vom Virus durchgebeutelte Gesellschaft, in ihrer Angst kondomisierte Körper und Seelen. Sie rollen sich, bei Bedarf, in den Planen wie in einen Kokon ein, schutzsuchend oder gerade eben durchgeknallt.
Endlich wieder Leben
Ausgerechnet Kapitalismus im Fieberwahn bringt wieder Leben in die Bude. Frau Conradi, mit C, ist erste Gästin seit 142 Tagen. Anna Maria Eder spielt diese Geschäftsreisende zielsicher karrieregeil bis ins Mark. Das Dienstmädchen (Nadine Breitfuß) heult vor Freude, der Hotelmanager (Martin Brunnemann), eben noch mit Strick um den Hals, verknallt sich in die Dame. Vertauschte Briefe führen zu turbulenten Konfusionen, einzig Sven Sorring als Herr am Empfang behält einigermaßen den Überblick. Hält mit Schnaps sein seelisches Gleichgewicht und hat Mühe, seinen depressiv-liebestollen Chef zu bändigen. Slapstick vom Feinsten!
Eine sprachlich genau getaktete Komödie, mit unaufdringlichem Tiefgang. Worin denn dieses verdammte Glück besteht, nach dem alle suchen (oder schon aufgegeben haben). Einen warmen Körper spüren, zum Beispiel. „Unterschätzen Sie niemals die Oberflächen!“
Ein Ensemble zum Abbusseln (Achtung, Kübel!), das lustvoll für eineinhalb Stunden die Corona-Fesseln löst. Viel Gelächter und langer, langer Applaus. Autor Thomas Arzt verbeugte sich auf der Bühne freudestrahlend mit.

Mit Slapstick durch den Lockdown

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung, 16.09.2021

„Taumel und Tumult“ von Thomas Arzt feierte Uraufführung im Theater Phönix
Darf man über Corona lachen? Dieser Frage geht der preisgekrönte oberösterreichische Dramatiker Thomas Arzt in seinem neuen Stück „Taumel und Tumult. Eine pandemische Posse“ nach, das nun im Linzer Theater Phönix uraufgeführt wurde. Das begeisterte Publikum entschied die Frage ganz klar mit einem Ja.
In einem Hotel sind nur noch der Chef und zwei Angestellte übrig, als nach 142 Tagen Pandemie endlich wieder ein Gast eincheckt. Eine Briefverwechslungskomödie entspinnt sich daraufhin zwischen Plastikplanen (Bühne und Video: Michaela Mandel) und Desinfektionsmitteln…
Florian Pilz inszeniert das neue Stück seines Jugendfreundes Thomas Arzt mit viel Slapstick – da rennt jemand gegen die Tür, ein anderer hat einen Kaktus als Penis zwischen den Beinen, die Reinigungskraft stakst patschert in ihren High Heels herum. Nicht grade das, was man von einem Thomas-Arzt-Stück erwartet. Dem Publikum hat’s aber gefallen – das Lachen hatte ja sonst nicht viel Platz in letzter Zeit. Das Ensemble ist trotz langer Pause in Hochform: Sven Sorring als strippenziehender Adam, Nadine Breitfuß als freiheitslechzende Luzia, Martin Brunnemann als suizidgefährdeter Gregori und Anna Maria Eder als resolute Conradi. Thomas Arzt schreibt mitten in der Pandemie etwas Lustiges über die Pandemie. Darf er das? Ja, er darf. Wenn auch die Komödie nicht sein bestes Fach ist.

Im Taumel und Tumult durch eine Pandemie im Linzer Theater Phönix

events.at, events.at, 15.09.2021

Ein komödiantisches und waghalsiges Spiel ohne Klamauk im Theater Phönix in Linz.
Eigentlich hätte es ein Stück über die Arbeitswelt in einer Stahlstadt werden sollen. Doch dann überholte den Autor und Dramatiker Thomas Arzt die Gegenwart, Corona breitete sich aus. Und so schrieb er für das Linzer Theater Phönix eine pandemische Posse. "Taumel und Tumult" - zugleich Auftakt in die neue Spielzeit - feierte Dienstagabend im vollen Haus und vor begeistertem Publikum Uraufführung.
Es ist bereits das dritte Auftragswerk des Oberösterreichers für das Theater Phönix. Bisher überschrieb Arzt Klassiker, aus Goethes "Die Leiden des jungen Werther" wurde 2016 "Werther lieben", aus Schnitzlers "Fräulein Else" 2019 einfach "Else (ohne Fräulein)". Aber auch seine Posse stehe in der Tradition von Klassikern: In jener der Komödien von Johann Nestroy oder Carlo Goldoni, wie Theaterchef Harald Gebhartl zum Start in die neue Saison, die für ihn zugleich die letzte in dieser Funktion sein wird, meinte. Die Inszenierung von "Taumel und Tumult" übernahm Florian Pilz, der schon Regie bei "Else (ohne Fräulein)" führte.
Unterhaltsames Verwirrspiel im Theater Phönix
Als Schauplatz wählte Arzt irgendein Hotel in irgendeiner Stadt, in dem es seit Ausbruch irgendeiner Pandemie still geworden ist. Hotelmanager Gregori, Portier Adam und Zimmermädchen Luzia erwarten nach 142 Tagen der Leere mit Frau Conradi den ersten Gast. Mit ihr flattert auch ein Liebesbrief ins Haus, das Verwirrspiel um fehlgeleitete Briefe nimmt seinen Anfang und daraus entspinnt sich eine wahrhafte Posse mit komödiantischem Spiel beherzter Darsteller, ulkigen Situationen zum laut Lachen aber ohne Klamauk.
Die vier Schauspieler führen vor Augen, was der Virus - nein "das", wie in den eineinhalb Stunden immer wieder korrigiert wird - aus einem machen kann: Martin Brunnemann gibt den lebensmüden, depressiven, panischen Hotelmanager, der nicht nur angesichts der fehlenden Gäste mit dem Strick um den Hals herumläuft. Er hat seine Frau verloren durch das Virus. Gregori hüllt das Hotel in eine Schutzfolie, verschanzt sich im sicheren Inneren. Köstlich und tragisch zugleich die Szene, in der er im Ganzkörperschutz den Schritt ins Freie wagen will und im Türrahmen kleben bleibt.
Desinfektionsspray und Impfung im Theater Phönix
Nadine Breitfuß als Luzia ist die hoffnungsfrohe, optimistische junge Frau, die dank Desinfektionsspray und Impfung daran glaubt, wieder bald hinaus ins Leben gehen zu können - auch wenn ihr erster Schritt dorthin mit einer Enttäuschung endet. Sven Sorring übernimmt als Adam die Rolle des Realisten, der wegen seiner nüchternen Betrachtungsweise der Lage - "Ein Gast macht noch keinen Frühling" - fatalistische Züge annimmt. Bei ihm laufen die Fäden zusammen, er lenkt und steuert heimlich das Hotel, wie dies ein Portier eben so tut. Doch ihm entgleitet angesichts der pandemischen Situation die Kontrolle. Und Anna Maria Eder als Frau Conradi "mit C" verkörpert als Businessfrau das klassische Wirtschaftsopfer irgendeiner Pandemie, die vermeintlich ihren Job verliert und ihr Leben notgedrungen umkrempelt. Aber: Schon ein "kleiner Wimpernschlag des Kapitalismus und sie kehrt in ihr altes Leben zurück".
Arzt leuchtet die Auswirkungen einer weltweiten, massenhaften Erkrankung auf die Gesellschaft, wie er sie erlebt, hell aus - mit Witz. Regisseur Pilz setzt das Ganze spritzig und mit hohem Tempo um. Für ihn war es die Herausforderung, den Spagat zwischen Komödiantischem und ernsthaftem Hintergrund zu schaffen, wie er selber meinte. Den Schauspielern verlangt er dabei einiges ab. Doch ihr Zusammenspiel geht Hand in Hand, da ruckt nichts. Dabei ist die Gefahr des Verhedderns durchaus gegeben, wenn etwa die meterlangen Plastikfolien herabgerissen werden und sich Luzia darin einrollt, Frau Conradi damit kämpft oder Gregori sie sich über den Kopf zieht, um zu ersticken.
Was bleibt nach all dem "Taumel und Tumult"?
Das Bühnenbild hat Michaela Mandel sehr zurückhaltend gestaltet, sie sieht es mehr als eine Rauminstallation. Das Innere des Hotels wird nur durch Stahlrahmen angedeutet. Im Hotelzimmer des einzigen Gastes "unter 266 möglichen" steht ein Doppelbett mit Trampolinfunktion, auf dem auch waghalsig herumgetollt wird. Am Ende der pandemischen Posse aber steht dann die durchaus ernste Frage im Raum, ob nach dem ganzen Taumel und Tumult die alte Routine wieder zurückkehrt.