© Andreas Kurz
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GENERATION WHY

Leben am Limit oder ich habe mir eine Pfanne gekauft

Eine Stückentwicklung von DAS SCHAUWERK
mit Stefanie Altenhofer , Sarah Baum , Julia Frisch , Stefan Parzer
Regie: Anja Baum
Songtexte: Daniel Feik
Co-Regie: Stefanie Altenhofer Sarah Baum Julia Frisch Stefan Parzer
Ausstattung: Antje Eisterhuber
Musik: Daniel Feik
Wiederaufnahme: 29.03.2022
letzte Vorstellung: 07.05.2022
Aufführungsort: Saal

Rastlos, unzufrieden, schnell gelangweilt und unentschlossen. Düster scheint das Bild der Generation Y, der letzten Generation vor der Jahrtausendwende und der ersten, der es tatsächlich schlechter geht als der davor. Die Millenials sind weit entfernt von Eigenheim, 1,4 Kindern und gepflanzten Bäumen. Ihre Life Goals beschränken sich auf Fragen wie: Trägt nun der Töpferkurs oder die Keto-Diät mehr zur eigenen Persönlichkeitsentfaltung bei? Getrieben von der Freiheit, alles sein und haben zu können, schafft es die Generation Y nicht, endlich mal Entscheidungen zu treffen. Zwischen der Großelterngeneration als Wiederaufbauer*innen, den Baby-Boomern als Wohlstandsgeneration und der Generation Fridays for Future als Weltretter*innen, behauptet sich die GENERATION WHY mit der Beantwortung der Frage: WARUM sind wir eigentlich da? Ja, warum denn eigentlich nicht?! Und damit ist sie einen gewaltigen Schritt weiter. Oder?

 

Projektförderung DAS SCHAUWERK von: Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport, Land Oberösterreich Kultur und Stadt Linz | Linz Kultur.

Trailer

Pressestimmen

Warum es die „Harry Potter“-Leser von einst im Leben zaubert

Peter Grubmüller, OÖNachrichten, 20.11.2021

Theater Phönix: „Das Schauwerk“ analysiert die „Generation Y“ mit großer Sensibilität und satirischer Wucht
Egomanisch, handwerklich unbrauchbar, bequem bis zur Faulheit und unpolitisch - das sind die Vorurteile, die über den zwischen 1981 und 1998 Geborenen kreisen. Die Altvorderen haben diese „Generation Y“ mit dem frivolen Missverständnis von „einer Million Möglichkeiten“ aufgepäppelt, nun ist sie erwachsen. Das Y wird im Englischen nicht zufällig „why“ ausgesprochen - also warum steckt diese Gruppe in ihrem „Wenn ich mal groß bin“-Leben fest?
Köstlicher, hellsichtiger und selbstironischer, als es das furiose Theaterkollektiv „Das Schauwerk - Leben am Limit oder ich habe mir eine Pfanne gekauft“ bei der Premiere von „Generation Why“ am Donnerstag im Linzer Theater Phönix (Regie: Anja Baum) getan hat, ist die Antwort auf diese Frage kaum aufzuspüren. Nach eineinhalb wie im Flug vergangenen Stunden applaudierte das Publikum im Stehen. Sarah Baum, Stefan Parzer, Stefanie Altenhofer und Julia Frisch gehören diesen sinnsuchenden Ypsilons an. Sie tun demnach nicht als ob, sofern sie in die Schlucht zwischen ersehntem Sauna-Pool-Haus und dessen Finanzierbarkeit starren. Sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn zwei Studienabschlüsse geradeaus zum Kellnern oder ins unbezahlte Praktikum führen. So viel Überqualifikation muss man erst aushalten. Man könnte auch Mama, Papa oder beides werden, aber bitte irgendwann später, weil noch nicht zu Ende meditiert ist. Und die Welt will man ja auch noch sehen. Wo sonst als auf einem einsamen Strand sollte man sich aus dem Plastik der Meere ein Fußketterl basteln?
Aus dieser riesigen Themenkiste bauen die vier Darsteller mit ausgetüftelten, beweglichen Styropor-Elementen ihre eigene Bühne (Ausstattung: Antje Eisterhuber) und sie zimmern im besten Sinne einen sprachlich wie musikalisch (Musik/Songtexte: Daniel Feik) ausgefeilten bunten Abend. Der Horrorfilm der Elternwarnungen verstellt die Aussicht auf das „fucking Happy End“ genauso wie die Erinnerung an die „Super Mario“-Realität - und wegen der verheißungsvollen „Harry Potter“-Wunder zaubert’s die jungen Erwachsenen erst recht. Der Buzzer, um mit dem echten Leben zu beginnen, leuchtet: Er wird bloß nie rechtzeitig gedrückt. „Das Schauwerk“ hat für all das ein blendendes Timing gefunden.
Fazit: Kein Wundenlecken, sondern eine satirische Analyse dieser „Generation Y", die zu solch wunderbaren Abenden spielerisch imstande ist.

Die Ordnung der Milchschaumplättchen

Christian Pichler, Oberösterreichisches Volksblatt, 20.11.2021

Premiere: Linzer Kollektiv „Das Schauwerk" spielt im Theater Phönix „Generation Why"
Überqualifiziert, aber mit dem Gefühl, nichts richtig zu können. Die Partnerbörse dieser komplizierten Individuen die Hölle: „Ich bin ganz bei dir, aber leider nicht ganz bei mir.“ Den „woken“ (wachen) Verstand nützen sie für exquisite Kaffeeauswahl, die Milchschaumplättchen bitte symmetrisch! - Schlaumeier und Hohlköpfe wie in jeder Generation.
Flott beginnt „Generation Why - Leben am Limit oder ich habe mir eine Pfanne gekauft“. Eine Tanzeinlage und ein Lied (Musik und Songtexte: Daniel Feik) über „Leben am Limit“. Passenderweise in Joggingkluft, was zufällig die Edelgewandung der nächsten Lockdown-Wochen vorwegnimmt. Reminiszenz an die Boy- und Girl-Groups, als die Möglichkeiten grenzenlos schienen, zumindest in den prägenden Medien. Kein Limit, dafür „Challenges“.
Uraufführung von „Generation Why“ in der Regie von Anja Baum war am Donnerstag im Linzer Theater Phönix. Das Linzer Kollektiv „Das Schauwerk“, 2019/20 mit dem Anerkennungspreis für Bühnenkunst des Landes OÖ ausgezeichnet, mit einer Collage, die nie ins Boshafte driftet, sondern das eigene fragwürdige Dasein liebevoll aufs Korn nimmt.
Rasante Show, Standing Ovations. Achtzig Minuten blendende Unterhaltung mit Hirn und einem enorm spielfreudigen Ensemble. Keine 20 mehr, der 40er rückt bedrohlich nahe. Das Dazwischen - was? Geboren, um den Eltern das Smartphone einzurichten? Eine „unsichere, unnötige, uncoole“ Generation, übler Verdacht: „Wir sind die neuen Boomer!“ Jobbewerbung als Sitcom, für proaktive Persönlichkeiten geht sich ein unbezahltes Praktikum aus. Immerhin Gelegenheit zum - haha! - Netzwerken. Mit dreißig drängt sich langsam Kinderwunsch auf. Der wird im Horror-Genre abgehandelt („Ich weiß, dass du letzten Sommer nicht verhütet hast“). Noch einmal mächtig gute Laune vor der Zombie-Existenz im Lockdown.

Eine Generation zwischen Hausbau und Tinderdate

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung Oberösterreich, 20.11.2021

Uraufführung der neuen Produktion von Das Schauwerk im Theater Phönix - Flott, witzig und (zu) nah an der Realität
Blendende Stimmung trotz baldigem Lockdown bei der Uraufführung von „Generation Why“ von Das Schauwerk im Theater Phönix: Die Generation zwischen Babyboomern und Weltenrettern hat das Zeug zu einem fast kabaretthaften Abend.
Mit Tom Turbo, Macarena und den Happy-End-Illusionen von Disney aufgewachsen, finden sich die in den 80er- und 90er-Jahren Geborenen in der eigentlich glücklichen Lage, viele Möglichkeiten zu haben, wie sie ihr Leben gestalten können. Doch das ist genau das Problem: Zwischen Hausbau und Weltreise, Tinderdate und Kinderwunsch, Prekariat und Karriere sind sie plötzlich wie versteinert und können sich nicht entscheiden.
Diese Krux fächerte Das Schauwerk bei der Uraufführung von „Generation Why“ im Theater Phönix so gekonnt auf, wie es wohl nur direkt Betroffene können. Jeder Nebensatz eine popkulturelle Anspielung, jeder Sketch (zu) nah an der Realität, jeder Song trieb dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen. Stefanie Altenhofer, Sarah Baum, Julia Frisch und Stefan Parzer bildeten ein witziges, flottes, geniales Quartett der Zweifelnden. Unterstützt durch die Musik von Daniel Feik und die Regie von Anja Baum fügt sich die Aneinanderreihung von Szenen zu einem großen Ganzen. Highlights sind die als Horrorfilm präsentierte Stehsatz-Collage zur Familiengründung („In deinem Alter hatte ich schon drei Kinder“) und die kurzen, aber vielsagenden Tinder-Chats.