Don Juan

Wir kill'n die Sau, wenn wir sie kriegen

frei nach Molière von Gernot Plass

"Sganarelle: Der will in alles, was ein Loch hat ...

... Der penetriert die halbe Menschheit.

Don Juan: Jetzt kritisiert der meinen Zugang zur Damenwelt!"

Sujet: Stefan Eibelwimmer
Premiere:
07.05.2015
Dauer:
Dauer: 2 h, inkl. Pause
Spielstätte:
Saal

Besetzung



Musik
Dr. Plass

Lichtgestaltung
Stefan Pfeistlinger

Dramaturgie
Silke Dörner

Rebecca Döltl
© Tom Mesic
Rebecca Döltl
David Fuchs
© Eisterhuber, Leisch
David Fuchs
Markus Hamele
© Matthias Leonhard
Markus Hamele
Felix Rank
© Apollonia Theresa Bitzan
Felix Rank
Judith Richter
© Tom Mesic
Judith Richter
Bernhard Majcen
© Antonia Sotelesk
Bernhard Majcen

"Sganarelle: Der will in alles, was ein Loch hat ...

... Der penetriert die halbe Menschheit.

Don Juan: Jetzt kritisiert der meinen Zugang zur Damenwelt!"

Inhalt

Er ist der Frauenheld par excellence und einer der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Literatur: Don Juan. Der äußerst umtriebige junge Adlige mit dem ausschweifenden Lebensstil macht vor keinem Rock halt. Egal ob Edle oder Magd, Jungfrau, Witwe oder Ehefrau, Don Juan verführt sie alle, ganz gemäß seinem Lebensmotto: Alle Liebesfreude liegt in der Abwechslung. Denn wenn er die Damen erst einmal hat, lässt er sie genauso schnell wieder fallen. Dabei fürchtet er weder Himmel noch Hölle und schreckt auch nicht davor zurück, das Objekt seiner Begierde, Donna Elvira, aus dem Kloster zu entführen, um sie zu heiraten. Als er jedoch auch ihr den Rücken kehrt, zieht er nicht nur den Zorn der männlichen Familienmitglieder auf sich …

 

Ausgehend von Molières unnachahmlicher Komödie führt Autor und Regisseur Gernot Plass in seiner Klassikerüberschreibung die Geschichte um den zynischen Freigeist, dem niemand und nichts heilig ist, weiter und zeigt einen modernen Menschen, dessen skrupelloser Lebensentwurf die Welt aus den Angeln hebt.

Einblicke


Stefan Eibelwimmer
© Stefan Eibelwimmer
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger

Pressestimmen

Der größte Liebhaber der Welt ist ein dümmlicher Prachtkerl

Gernot Plass hat eine zeitgemäße, kecke und flotte Version von Molieres „Don Juan“ verfasst und im Theater Phönix inszeniert

„Dauerbrünstig“ sei er gewesen, „Ein Syphilitiker. Von wegen größter Liebhaber der Welt!“, hat Sganarelle, Diener des Frauenvernaschers Don Juan, kein gutes Wort für seinen Chef übrig. Diesen Don Juan haben Dichter, Denker, Musiker und Filmer zum Objekt ihrer Profession gemacht.

Gernot Plass, künstlerischer Leiter im Wiener TAG (Theater an der Gumpendorferstraße), hat sich schon an manchen Schwergewichten geübt („Hamlet“, „Faust“) und diese in seinem ganz typischen Stil überschrieben. Das tat er - im Auftrag des Theaters Phönix - nun auch mit der Vorlage „Don Juan“ von Moliere (1622-1673). Und er macht das mit viel Humor, in teils sehr direkter Sprache, schräg, spritzig, mit gutem Gespür für Sprachrhythmik – und vergisst dabei nicht den Plot der Geschichte. Und der Autor inszeniert sich praktischerweise auch gleich selbst und steuert die Musik bei. Plass setz auf unbarmherzig schnelle Dialoge. Da werden oft nur Halbsätze gesprochen, schon fällt der andere ins Wort, und weiter geht es so – immerzu! Jeder Satz, jede Bemerkung wird mit einem kurzem „Aha!“ oder „Ach ja!“ kommentiert. Das verlangt vom Schauspiel-Team unheimlich viel Konzentration und auch Kondition. Dieses hohe Tempo, dieses ständig abwechselnde Ping-Pong-Reden in der vom Regisseur auferlegten Höchstgeschwindigkeit so konsequent durchzuhalten, verdient Respekt.

Plass kreuzt durch die Jahrhunderte, beginnt im Barock – herrlich anzuschauen die verschlissenen, grellbunen Kostüme mit Details aus vielen Epochen und Stilen von Alexandra Burgstaller – und endet im 20. Jahrhundert bei Beckett’schem Absurdtheater. Dazwischen ein wenig Commedia dell’Arte. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig anstrengend – ist es ja sicher auf für die Bühnenakteure. Für das Publikum aber bedeutet es Vergnügen, diesem flotten Spiel zu folgen.

David Fuchs ist der dauerbrünstige, auch mit dem weiblichen Publikum flirtende, die Damenwelt schändende, aber auch in Verlegenheit und Verzückung bringende Don Juan: Ein Prachtkerl, dieser dümmliche Narziss! Markus Hamele großartig als unterwürfiger Diener seines Herrn, Felix Rank ist ein trippelnder Bediensteter, Rebecca Döltl hinreißend als schmachtende Charlotte und witzig als Mafia-Killer. Judith Richter kraftvoll als dominante Donna Elvira und sexy als Nonne, Bernhard Majcen wandelbar in mehrfach Rollen, besonders süß als Bauer Pierrot.

Eine tolle Team-Leistung. Das macht Spaß! Nach der Pause sind wir dann – wie alle Szenerien vorher auch mit wenigen Requisiten dargestellt – im finstren Wald gelandet. Hier ändern sich Schnellsprech und Inszenierungstempo, da wird die Philosophiererei zu dick aufgetragen. Es wird fas beschaulich, und der ansonsten kecken Chose geht irgendwie die Luft aus.

Silvia Nagl, OÖN, 09.05.2015

Weiberheld im Wordrap

Gelungene Premiere „Don Juan“ nach Molière im Linzer Theater Phönix

Es gibt aufregende Theaterstücke. Das sind jene, die ohne Rücksicht gesellschaftliche Realitäten entblößen. Kaum einer hat das so gut verstanden wie Molière (1622 – 1673). „Don Juan“ feierte am Donnerstag im Phönix Premiere.

Im Wesen des unersättlichen Frauenverführers „Don Juan“ verbinden sich unbefriedigte Geilheit, Zerstörungstrieb und verdrängte Lebensangst. Regisseur und Autor Gernot Plass (Jg. 1966) untertitelt seine Version mit „Wir kill’n die Sau, wenn wir sie kriegen“. Damit ist auch das Sprachkonzept definiert: Die wulstige Prosa des alten Meisters wechselt in eine rhythmisch- zeitgeistige Sprache, die oft Rap-Charakter hat und von intellektuellen Kraftausdrücken bis intellektuellen Monologen alles bietet. Allem voran ein atemberaubendes Sprechtempo. Hut ab vor den Schauspielern, die diese Zeitraffer-Sprache durchziehen, ohne jemals undeutlich zu werden. Volles Verständnis auch für den souverän gemeisterten Hänger von Bernhard Majcen als verschmähten Liebhaber Pierrot.

Rasanz und Stilbrüche

Rasanz und Stilbrüche erzeugen speziell im ersten Teil ein elektrisches Feld auf der Bühne. Unter Hochspannung steht Don Juan, eben hat er Donna Elvira geheiratet, um sie ins Bett zu kriegen. Ihren Vater musste er zu dem Zweck erschießen, so wie manch anderen auf der Stecke. Bezeichnenderweise sind diese Opfer meist Kulturpolitiker („Die, die sich mit Friedhöfen oder so beschäftigen“). Er flüchtet vor sitzen gelassenen Damen und lechzt ständig nach neuen Körpern, wobei es ihm egal ist, ob sie „Mittelstandsgewächse, Vorstandsziegen oder Putzfrauen“ sind.

Nach der Pause ist die Bühne grau und neblig. Plass reduziert die weiß geschminkten Schauspieler noch mehr auf Prototypen. Präzis choreografierte Körpersprache und Slapstick dominieren. Don Juan lädt den ermordeten Komtur zum  Abendessen. Der erscheint tatsächlich, den liederlichen Verführer verfluchend. Das Ende sei hier nicht verraten, ist aber eine weitere konsequent witzige Demonstration von Stil- und Auffassungsunterschieden zwischen Molière und Plass.

Als Don Juan zelebriert David Fuchs den völlig skrupellosen Verführer und seinen vermeintlich gottgleichen Körper. Meisterhaft spielt Rebecca Döltl die naive Donna Anna und später den mafiosen Don Carlos, der drauf und dran ist „die Sau zu kill’n“, wobei er sehr tiefsinnig gestern, heute und morgen nicht mehr in die Reihe bringt. Judith Richter mimt als Donna Elvira vom Prolog bis zur Einkehr ins Kloster – mit transparenter Kutte und Strapsen, das tief gekränkte, immer noch geile Weib. Diener Sganarelle, Markus Hamele, ist das ideale Pendant zu seinem Herrn, hintertrieben, unterwürfig und in jeder Hinsicht flexibel. Gelungene Phönix-Version eines Weltklassikers, vielschichtig und kurzweilig.

Eva Hammer, Neues Volksblatt, 09.05.2015

„Wir kill’n die Sau“

„Don Juan“-Premiere im Theater Phönix

Testosteron-Alarm im Linzer Theater Phönix: Dort steht seit Donnerstag der „Don Juan“ auf dem Spielplan, sehr frei nach Molière, in der Fassung von Regisseur Gernot Plass. Plakativer Untertitel „Wir kill’n die Sau, wenn wir sie kriegen“. Ein weiterer Funkelstein in der Kette der Klassikerpflege am Phönix.

Gernot Plass feiert mit „Don Juan“ einen durchaus gelungenen Einstand am Phönix. So wie seinem Helden scheint ihm nichts und niemand „heilig“ zu sein, und er hat ein Händchen fürs Ensemble, bei dem er ordentlich aufs Tempo drückt. David Fuchs gefällt mir persönlich nach der Pause als Verkleideter auf der Flucht besser denn als buntscheckiger Don Juan in seien roten Hosen und mit der Billig-Perücke am Kopf.

Markus Hamele ist sein ebenso dreister wie ergebener Diener Sganarelle, Rebecca Döltl in all ihren Rollen zum Zerkugeln komisch. Ein wesentlicher Pluspunkt des Abends ist zweifellos die geschickte Bühnenlösung von Alexandra Burgstaller, die auch zum Teil geradezu Farbe spuckenden Kostüme verantwortet.

Ist Plass‘ Inszenierung in der ersten „Halbzeit“ tatsächlich wortgewaltig, so wird es nach der Pause ein wenig (zu) geschwätzig und es dauert, bis Don Juan – endlich – seinen „Meister“ findet.

Milli Hornegger, Krone, 09.05.2015