Biedermann und die Brandstifter

Sujet: Stefan Eibelwimmer
Premiere:
05.12.2013
Dauer:
120 Min
Spielstätte:
-

Besetzung





Lichtgestaltung
Christian Leisch

Dramaturgie
Silke Dörner

David Fuchs
© Eisterhuber, Leisch
David Fuchs
Lisa Fuchs
© Raphaela Danner
Lisa Fuchs
Matthias Hack
© Tania Marcadella
Matthias Hack
Felix Rank
© Apollonia Theresa Bitzan
Felix Rank
Judith Richter
© Tom Mesic
Judith Richter
Sven Sorring
© Maddalena-Noemi Hirschal
Sven Sorring

Inhalt

Ordentlich ist er und pflichtbewusst, der Herr Direktor Gottlieb Biedermann, und absolut sicher, dass man ihm weder etwas vormachen noch anhaben kann. Kriminellen Subjekten wie diesen Brandstiftern, die sich seit Wochen – getarnt – auf Dachböden einnisten, um die Häuser unbescholtener Bürger anzuzünden, würde er sofort auf die Schliche kommen. Deshalb lässt er auch, frei von jeglichem Argwohn und aller Warnungen zum Trotz, den arbeitslosen Ringer Schmitz unter seinem Dach wohnen, der eines Tages Einlass begehrt. Denn wer wird gleich das Schlechteste von seinen Mitmenschen denken? Noch dazu, wenn man von ihnen profitieren kann. Als sich zu Schmitz allerdings sein Kumpane Eisenring sowie Dutzende Benzinfässer gesellen, wird Biedermann unruhig und versucht vergebens, die unliebsamen Gäste doch noch loszuwerden. Biedermann sieht nur noch einen Ausweg: sich den Feind zum Freund machen und Augen zu und durch.
Mit „Biedermann und die Brandstifter“, 1958 uraufgeführt, hat der Schweizer Autor Max Frisch eine Parabel geschrieben, die mit Humor und Ironie Opportunismus, Mitläufertum und politische Blindheit anprangert und nach verantwortungsvollem Denken und Handeln des Einzelnen fragt.

Einblicke


Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
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Christian Herzenberger
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Christian Herzenberger
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Stefan Eibelwimmer
© Stefan Eibelwimmer

Pressestimmen

Nur hereinspaziert in diesen Zirkus!

Premiere: „Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch im Linzer Phönix

Wie bringt man eine über ein halbes Jahrhundert alte Parabel möglichst theater-staubfrei auf die Bühne? So wie es Regisseur Harald Gebhartl am Donnerstag bei der Premiere von „Biedermann und die Brandstifter" an seinem Theater Phönix vorgezeigt hat. Gebhartl hat die Handlung in einen „Zirkus Biedermann" verlegt. Stimmig und nachvollziehbar, ist doch im Original der Obdachlose Sepp Schmitz ein ehemaliger Ringer. Aus dessen Kumpan Eisenring hat Gebhartl einen Clown gemacht, aus dem titelgebenden Haarwasserfabrikanten Gottlieb Biedermann den Zirkusdirektor.

Phönix-Stars in der Manege

Freilich bedingte diese örtliche Transformation Eingriffe in den Text, die aber nicht ins Gewicht fallen, während sie die Möglichkeit zu herrlich bunten, schrillen Kostümen (Antje Eisterhuber) und einer Manege samt Gitterstäben als toller Bühne (Georg Lin-dorfer) eröffnet. Und freilich kann dieser Biedermann im roten Dompteurs-Outfit nicht ganz so bieder daherkommen wie der Herr Fabrikant. Immerhin biedert er sich den beiden obdachlosen Artisten, denen er unter seinem Zirkuszelt Asyl gewährt, mindestens genauso an. Dass es sich bei den zwielichtigen Gestalten um die lang gesuchten Brandstifter handelt, will er nicht wahrhaben. Selbst als sie beginnen, Benzinfässer auf der Orchestertribüne zu deponieren, glaubt er noch an einen Scherz, reicht ihnen zum Zeichen seines Vertrauens am Ende sogar die Zündhölzer, mit denen sie den Zirkus abfackeln ... Die Gefahr von Anpassung um jeden Preis, kombiniert mit politischer Blindheit, ob gegenüber Nazis oder Kommunisten, hat Max Frisch 1958 in seiner Satire verklausuliert. Gebhartl hat sie nicht zuletzt dadurch aktualisiert, indem er den Chor durch gut sitzende Rap-Songs (von Wolfgang Peidelstein, stilsicher intoniert von Felix Rank) ersetzt. Fein ziseliert die Szenenübergänge, etwa durch die kleinen Zaubertricks, mit denen Lisa Fuchs dem tussihaften Dienstmädchen Anna leise Beachtung verschaffen kann. Ganz eindeutig gehört der Abend Sven Sorring in der Titelrolle, der unterhaltsam zwischen aufbrausendem Hardliner („Aufhängen sollte man die Brandstifter!") und naivem Gutmenschen pendelt; aber auch David Fuchs, der als maliziöser Eisenringer Fürchten macht. Matthias Hack ist nicht nur von der Statur her passend als Ringer Schmitz, als Babette komplettiert Judith Richter das spielfreudige Ensemble. „Was haben Sie in den Fässern?", fragt ein Polizist Biedermann. „Lachs", flüstert ihm Eisenring ein. „Max", versteht der aber falsch. „Was?", fragt der Polizist nochmal. „Fisch", sagt Eisenring nun ein. „Frisch", versteht der wieder falsch: „Max Frisch". Und dessen Geist ist auch in jeder der 75 Minuten drin, auch wenn „Zirkus Biedermann" draufsteht.

Andreas Hutter, Neues Volksblatt, 07.12.2013

Da quittiert selbst der Teufel seinen Dienst

Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter" am Phönix-Theater in Linz

Linz - Die Bühne (Georg Lindorfer) ist eine Manege, umgeben von Käfigstangen. Gottlieb Biedermann (Sven Sorring, der erneut als Ensemblegast brilliert) wird also zum Zirkusdirektor, gierig und verblendet wie in Frischs Vorlage als Haarwasserfabrikant. Er holt sich die Brandstifter ins Haus, ins Zelt besser gesagt, den Ringer Schmitz und seinen Kumpel Eisenring, die nichts anderes tun, als von Anfang an die Wahrheit zu sagen, weil „die ohnehin keiner glaubt".

Matthias Hack als grobschlächtiger Schmitz und David Fuchs als sehr böser, sehr irrer Clown Eisenring dringen ein in diese „Winterpause" des Zirkus Biedermann, nisten sich ein, rollen Benzinfässer, spielen mit Zündkapsel und Zündschnur und mit dem schlechten Gewissen Biedermanns. Dessen Mitarbeiter Knechtling hat sich umgebracht, nachdem er entlassen wurde. Spielen mit der Geldgier des „Herrn Direktor", die es ihm unmöglich macht, der Wahrheit ins Auge zu sehen.

Das Zirkussetting hebt das Absurde, das Skurrile hervor, aus dem Dienstmädchen Anna macht Lisa Fuchs etwa eine herrlich abgedrehte, Zauberstückchen vollführende Artistin; Judith Richter wird per Kostüm zur Anspielung an das „Burleske" in Frischs 1958 uraufgeführter Parabel. Mit Liedstücken, die im weitesten Sinn mit Feuer, Hölle und Eis zu tun haben (Felix Rank als Sänger und gemeinsam mit Lisa Fuchs als mahnender Chor), wird einmal mehr das Groteske inszeniert.

Zeitlos bleibt in Max Frischs Biedermann und die Brandstifter die Aussage über kleinbürgerliche Gier und Blindheit gegenüber dem Offensichtlichen. Gebhartl bringt auch das selten gespielte Nachspiel: Biedermanns wähnen sich im Himmel, sind aber in der Hölle, letztendlich wird klar: Der Himmel hat alle Bonzen und uniformtragenden Mörder generalamnestiert, bloß die Biedermänner und Kleinkriminellen landen in der Hölle. Daraufhin quittiert sogar der Teufel seinen Dienst. Böse, ein wenig irre und sehr sehenswert.

Wiltrud Hackl, Der Standard, 18.12.2013

Manege frei für Biedermann und die Brandstifter

Max Frischs „Lehrstück ohne Lehre“ im Linzer Theater Phönix

Winterpause im Zirkus Biedermann, wohin Regisseur Harald Gebhartl Max Frischs Parabel auf passives Mitläufertum verlegt hat: An einen Ort des Salto mortale, des Risikos und der skurrilen Gestalten, wo der Manegenzauber die Gefahr vergessen lässt. Und dass es hinter den Kulissen um eins geht: den Profit. Tausend Besucher verspricht der hausierende Ex-Ringer, und Direktor Biedermann ist schnell über seine Zweifel erhaben.

Bühnenbildner Georg Lindorfer hat eine nostalgische Manege im Goldenen Käfig geschaffen, die Raubtiere finden sich im Stuhlbezug. Die Gefahr lauert diesmal aber im opportunen Selbstbetrug. Lange bevor der Zirkus in Flammen aufgeht, lodert das Theaterfeuer auf der Bühne, entfacht vom passionierten Schauspielteam. Gast Sven Sorring ziert und windet sich als ahnender und doch nicht handelnder Gottlieb Biedermann, der seine Zweifel im Kichern erstickt. Wenig Luft zum Atmen ob des dominanten Gatten bleibt auch Babette: Judith Richter zittert vor intuitiver Furcht und glüht vor lasziver Sinnlichkeit. Selbst Dienstmädchen sind im Zirkus Artisten: Lisa Fuchs erinnert an eine grazil tänzelnde Olympia, diverser Zaubertricks mächtig.

Die Wahrheit als beste Tarnung

Die ungebetenen Gäste geben ein gegensätzlich skurriles Duo: Matthias Hack als Ringer Schmitz, ein halbstarker Kraftlackel mit düsterem Blick, dem man auf der Straße nicht begegnen will. David Fuchs weckt als anarchischer Clown subtiles Unbehagen. Ihr Ansinnen haben sie bestens getarnt: mit der Wahrheit. Ein Dr. phil. würde kaum zum Zirkus passen, der hinzugefügte „Fireman“ dafür umso besser: Als Rockstar entzündet Felix Rank zur fetzigen Musik von Wolfgang Peidelstein ein Feuerwerk der heißesten Songs, darunter Johnny Cash, „Ring of Fire“. Mit Lisa Fuchs bilden beide die mahnende Stimme des Chores. Oder sie harren im Bühnenabseits auf der Couch unter dem Rauchmelder der Geschehnisse. Die Kostüme von Antje Eisterhuber verströmen Zirkusflair und vielleicht verdrängte Wünsche der aufreizend gewandeten Dame des Hauses. Bieder ist nichts an diesem hitzigen, von feurigen Rhythmen angestachelten Theaterabend.

Karin Schütze, OÖN, 07.12.2013

Es fehlt die Lust am Zündeln

Ja, es ist ein Verdienst, dass das Linzer Phönix wieder einmal Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ auf die Bühne bringt. Harald Gebhartl hat das Stück bearbeitet und inszeniert. Entstanden ist dabei eine Theatergeschichte, die sich so schnell verflüchtigt, wie sie erzählt wird. Da bleiben viele Fragen offen.

Ein Zirkusdirektor als Biedermann? Jedenfalls kein Brandstifter-Dompteur, so weit bleibt sich das Stück dann treu. Georg Lindorfer durfte dank dieses Kunstgriffes eine ansehnliche Zirkusarena in den Theatersaal bauen, in dem die Zirkusleute und ihre ungebetenen Zündler-Gäste dem gemeinsamen Ende entgegenspielen.

Sven Sorring ist dieser Zirkusdirektor, eher kichernder Duckmäuser als Herr der Manege. Ein Unmensch? Ja, schon, aber sehr beiläufig. Judith Richter spielt seine misstrauische Frau Babette, das Dienstmädchen Anna (Lisa Fuchs) mutiert zur Artistin mit ziemlich durchschaubaren Tricks. Sie alle spielen mit Inbrunst - und doch berührt es mich nicht, schon gar nicht dauerhaft. Regisseur Gebhartl findet kaum einen Ansatz, das Stück ins Heute zu hebeln. Als ob es rundherum nicht genügend Brandstifter gäbe ...

Ob es an der Besetzung liegt? Matthias Hack nimmt man die Rolle des Ringers Schmitz nur schwerlich ab. Da macht sich einfach ein dumpfer Rüpel breit, aber ihm fehlt die Bösartigkeit, das Dämonische. David Fuchs ist da als Eisenring schon näher dran - er lebt als Einziger die Lust am Zündeln.

Milli Hornegger, Krone, 07.12.2013