This is the End, my Friend

Eine dystopische Horrorklamotte

©Helmut Walter/Stefan Eibelwimmer
Uraufführung:
17.03.2022
Dauer:
Aufführungsdauer: ca. 1h 25min; ohne Pause
Spielstätte:
Saal

Besetzung

Live-Musik
Armin Lehner

Regie
Kurt Palm

Ausstattung
Michaela Mandel

Lichtgestaltung
Hubert Schwaiger

Sounddesign
Armin Lehner


Dramaturgie
Matthias Kreitner

Nadine Breitfuß
© Raphaela Danner
Nadine Breitfuß
Martin Brunnemann
© Zoe Goldstein
Martin Brunnemann
Anna Maria Eder
© Zoe Goldstein
Anna Maria Eder
Karl Ferdinand Kratzl
© Theater Phönix
Karl Ferdinand Kratzl
Georg Lindorfer
© privat
Georg Lindorfer
Ferry Öllinger
© Susanne Sigl
Ferry Öllinger
Erich Pacher
© Arnold Poeschl
Erich Pacher
Sven Sorring
© Maddalena-Noemi Hirschal
Sven Sorring

Inhalt

Worauf warten wir noch? Warum funktionieren unsere Handys nicht mehr? Und was machen wir hier überhaupt? Neun Menschen finden sich an einem merkwürdigen Ort wieder. Gerade erst angekommen, scheinen sie immer schon da gewesen zu sein. Sie wissen nur: Raus kommen sie hier nicht mehr.
Die für Palms Stücke typischen Gestalten finden keinen Ausweg aus diesem Raum, in dem Zeit keine Rolle spielt. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als immer wieder dieselbe Frage zu stellen: Wie geht es mit uns weiter? Es ist eine dystopisch-absurde Welt, in der sich eine Horrorklamotte irgendwo zwischen Twin Peaks und Becketts Endspiel entfaltet.
Ein Trip durch das wilde \"Kurtpalmistan\". Hier kommen alle auf ihre Kosten, die über die Ausweglosigkeit des Lebens auch mal lachen wollen und sich trotzdem Gedanken machen, wohin die Reise geht. Hier trifft King Kong unter dem Einfluss der Gestirne auf Godzilla und Nietzsche schaut auch kurz vorbei. Es wird gesungen, getanzt und verarztet.
Die Übriggebliebenen freuen sich auf Sie!

 

Einblicke


Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter/Stefan Eibelwimmer
© Helmut Walter/Stefan Eibelwimmer
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter
Helmut Walter
© Helmut Walter

Pressestimmen

Kurt Palms Endspiel um die Welt

Uraufführung in Linz
Was, wenn das Ende der Welt doch nur ein „Trip ins wilde Kurtpalmistan“ ist, wie sich das der Intendant des Linzer Phönix-Theaters, Harald Gebhartl, zum Ende seiner 30-jährigen Schaffenszeit gewünscht hat? Dass die Welt Kurt Palms „dystopische Horrorklamotte“ noch nicht überholt hat, wurde bei der Uraufführung deutlich. Bei ihm passen alle ernsten Themen der Zeit in die gnadenlose Nähe von Slapstick. Inklusive deftiger Bildwelten.
„This is the End, my Friend“ – so nennt Kurt Palm sein Abschiedsgeschenk an den jahrzehntelangen Chef des Linzer Phoenix-Theaters. Und wer gedacht hätte, dass es hinter „Bad Fucking“ keine Abgründe mehr gibt, der wurde am Donnerstagabend in Linz eines Besseren belehrt. Es geht immer nur weiter runter, im wilden „Kurtpalmistan“.
In einem unwirklichen Raum, ähnlich einem Sanatorium, treffen bei Palm, der natürlich selbst Regie führte, neun Menschen aufeinander. Ein Entkommen ist nicht möglich. So bleibt den Personen nur übrig, sich mit der eigenen Vergangenheit und Gefühlswelt zu beschäftigen. Worauf die Darstellerinnen und Darsteller warten – „hoffentlich nicht auf Godot“, wie Sven Sorring im Stück einwirft –, wird dem Zuschauer nur in manchen lichten Momenten klar.
Zwischen Stillstand und Nacktmull
Die „dystopische Horrorklamotte“, wie das Stück auch betitelt ist, wird bestimmt vom durchaus beängstigenden Thema des Endes und des Stillstandes. Die Klamotte, im Sinne eines derben Schwanks, bricht diese Thematik allerdings in irrwitzige und absurde Episoden auf.
Dabei kommen gescheiterte Liebesbeziehungen, Diskussionen über Nacktmulle und Lebensendegeschichten zum Vorschein. Nicht nur ein gebrechlicher Glitzerkönig, gespielt von Gastschauspieler Karl Ferdinand Kratzl, möchte gerne nochmal „ein Schweindi sein“. Auch ein Kingkong mit Gorillamaske kämpft mit goldenen Boxhandschuhen gegen einen Godzilla im Dinosaurierkostüm.
Die Bühne als Ereignisraum
„This is the End, my Friend“ folgt keinem roten Faden, sondern gleicht einer losen Aneinanderreihung von kurzen Sequenzen, die von der Groteske bis zur Ernsthaftigkeit reichen. Dabei lässt Palm keinen Versuch aus, in die große Inszenierungstrickkiste zu greifen und bedient sich etwa an Kunstblut, herabrieselndem Schnee, Videoeinspielungen und der direkten Ansprache des Publikums. Insgesamt wird die Bühne zum Ereignisraum, in dem alles gleichzeitig passiert und einem auch einmal die eine oder andere Veränderung fast entgeht.
Anspielung auf Ukraine-Krieg bleibt
Bereits im Vorfeld hatte Palm jedoch betont, mit dem Stück keinen Bezug zum Krieg in der Ukraine herstellen zu wollen. Eine oberflächliche Thematisierung, um „seine Schuldigkeit getan zu haben“, empfände Palm als „Heuchelei und Doppelmoral“. Doch ganz ohne Kriegsszenarien miteinzubeziehen, schafft er es dann doch nicht.
Das Publikum bleibt in einer digitalen Atombombe zurück. Schließlich führte eine „Arschloch-Mikrobe“ dazu, das Universum entstehen zu lassen. Ein Universum, das in „17 hoch 10 Billionen“ Jahren nicht mehr existiert. Abseits des Stückes übt Palm umso mehr scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik der EU, die in „gute Flüchtlinge auf der einen Seite und schlechte Flüchtlinge auf der anderen“ einteile. Dieser Alltagsrassismus zeige sich auch im „korrupten Operettenstaat“ Österreich.
Kurt Palm: „Sämtliche Rollen gelernt“
Fast ironisch scheint es, dass gerade die Pandemie beinahe auch ein Ende für das Stück bedeutet hat. Sieben der neun Schauspielerinnen und Schauspieler infizierten sich noch während der Probenzeit fast gleichzeitig mit dem Coronavirus. Nach einer zehntägigen Pause konnten schließlich die Proben fortgesetzt werden.
Auch für etwaige Ausfälle rund um die Premiere hatte Kurt Palm bereits vorgesorgt, wie er den „Oberösterreichischen Nachrichten“ verriet: „Ich hab außerdem sämtliche Rollen gelernt, um bereit zu sein, für diese oder jene Figur einzuspringen. Das wär super peinlich geworden, hoffentlich bleibt’s mir jetzt erspart.“

Lena Sinzinger, orf.at, 18.03.2022

Mit der Selchfleischknödel-Polonaise in den Weltuntergang tanzen

Premiere von Kurt Palms dystopischer Horrorklamotte „This is the End, my Friend“ im Linzer Theater Phönix - völlig vertrottelt und hintersinnig in einem
Kurt Palm schert sich diesmal nicht um Handlung, Erkenntnis, Entwicklung der Figuren. In seinem neuen Stück „This is the End, my Friend“ scheint es, als hätte der Autor und Regisseur seine inneren Stimmen über den Unsinn des Lebens ins Freie gelassen und sie auf sieben Figuren verteilt. Dazu schleicht und schreitet Erich Pacher wie ein hagerer Gott, der das weltliche Treiben betrachtet, aber zu allem schweigt. Am Donnerstag fand im Linzer Theater Phönix die Premiere statt.
Im veredelten Irrenhaus
Ratlos ist nach diesen eineinhalb Trash-Stunden nur, wer sich bloß innerhalb inhaltlicher Klammern zurechtfindet. Die Spielerinnen und Spieler heißen wie im richtigen Leben: Nadine Breitfuß, Anna Maria Eder, Martin Brunnemann, Karl Ferdinand Kratzl, Georg Lindorfer, Ferry Öllinger und Sven Sorring. Alle sind jeweils im Leben falsch abgebogen - nun sitzen sie in einem von Bühnenbildnerin Michaela Mandel mit allerlei Tand veredelten Irrenhaus, in dem sie auf weiß Gott was warten. Ein bisschen wie absurdes Theater des vergangenen Jahrhunderts.
Musikalisch treibt Armin Lehner die Selbstbefragungen voran, auf welche Lächerlichkeiten sich das Dasein während der Jahre verkleinern kann. Es sind nervig wiederholte Erinnerungen, wenn etwa Lindorfer zum zehnten Mal vom Onkel Pepi mit dem Raucherbein erzählt und die Geschichte nicht voranbringt. Welche Geschichte eigentlich? Für Kratzl bedeutet es ja schon sinnstiftende Lebendigkeit, wenn man aufsteht, sich wäscht und Blutdruck misst.
Alle Figuren taugen zu metaphorischer Deutung: Kratzl, König und Narr; Breitfuß, erotische Verführerin und Einhorn-Prinzessin; Öllinger, Arzt und Triebkiller; Sorring, G’scheitwaschl und Angsthase; Lindorfer, Einfaltspinsel und King Kong, der Godzilla in die Depression boxt. Spielerisch leuchtet Brunnemann heraus, bis er sich selbst aus der traurigen Sex- und Beziehungslüge mit der sowohl verführerischen als auch verführbaren Eder schießt.
Auch wer die hintersinnige Trottelei genießt, ohne gedankenverhangen einer Tiefe aufzulauern, fühlt sich grotesk unterhalten. Irgendwann fühlt sich eben der Selchfleischknödel als das Wahre und Gute im Leben an. Es zieht die Selchfleischknödel-Polonaise durch den apokalyptischen Raum und umtanzt die erbärmliche Angst vor der Endlichkeit.
Immerhin gibt’s angesichts von Überbevölkerung, Femiziden und Gletscherschmelze noch etwas zu feiern. Lange haben wir ohnehin nicht mehr - weil sich die Sonne in vier Milliarden Jahren von einem gelben Zwerg zu einem roten Riesen entwickelt haben wird. Dann ist für alle Schluss. Mit Fragezeichen im Kopf und „This is the End“ von den Doors im Herzen zerstreut sich das Publikum in die Linzer Nacht. Euphorischer Premieren-Applaus.
Fazit: Ein Gewitter des Irrsinns ohne bedeutungsschwere Blitzeinschläge. Das Publikum kann selbst wählen, ob es diese .Horrorklamotte leicht oder schwer nimmt.

Peter Grubmüller, Oberösterreichische Nachrichten, 19.03.2022

WG des Weltuntergangs

Kabarettistischer Schmäh in surrealer Landschaft: Kurt Palms Stück „This is the End, My Friend“ wurde im Phönix-Theater Linz uraufgeführt.
Kurt Palms These, der Mensch sei in Wahrheit ein Missgeschick der Natur, ein Irrtum der Evolution, hat zuletzt an Plausibilität dazugewonnen. Die Diskrepanz zwischen der Höhe des Intelligenzquotienten und dem Grad der Selbstzerstörung ist und bleibt rätselhaft. In diese Kluft hinein stößt der Autor und Regisseur (Phettbergs Nette Leit Show) mit vielen seiner Stücke.
Auch das allerjüngste, am Donnerstag im Phönix-Theater in Linz uraufgeführt, versammelt Exemplare dieser seltsamen, dem Publikum höchst verwandten Spezies.
Weil Palm gern große Sprüche klopft und sich seit jeher auf gut geklaute Sprechweisen versteht (Palmfiction), trägt die Chose den schönen The-Doors-Titel This is the End, my Friend. Eine Art Weltende gibt es tatsächlich zu bestaunen. Es findet in einer sanitär nur notdürftig, dafür aber mit vielen charaktervollen Lieblingsgegenständen ausgestatteten Wohngemeinschaft statt (Bühne: Michaela Mandel). Der Weg nach draußen, wo es angeblich schneit, ist verschlossen.
Gelegentlich meldet sich eine Lautsprecherstimme zu Wort und bittet um die korrekte Einnahme der Tabletten, oder sie kündigt einen Eingriff an. Es könnte aber auch ein Angriff gewesen sein. Es bleibt unklar.
Diesen Figuren gilt Palms ganze, von kabarettistischem Schmäh durchdrungene Zuwendung: ein an der Infusionsflasche hängender Krebspatient mit Sehnsucht nach Sex (Karl Ferdinand Kratzl), ein von seinem schmerzvoll zu Tode gekommenen Onkel Peppi fantasierender stolzer Bauchträger mit King-Kong- Kopf (Georg Lindorfer), ein Arzt im Schlächterschurz (Ferry Öllinger), ein zankendes Hetero-Pärchen (Anna Eder, Martin Brunnemann), ein asexueller, kluger Mensch mit endlos langem Wollpulloverärmel (Sven Sorring). Zur falschen Adresse bestellt, erscheint im glitzernden Partylook auch eine Frau mit Einhornluftballon (Nadine Breitfuß), die ihren erschossenen Hund Flocki betrauert. Auch hat sie nur sieben Follower. Theater ist nun einmal fürs Mitfühlen da.
Ignorierter Jesus
Und fürs Rätseln: Als stummer Geist zieht ein langhaariger Mann (Erich Pacher) seine Bahnen durch diesen gelegentlich von hollywoodesken Weltuntergängen erleuchteten Schauplatz. Er könnte Jesus sein, sieht aber wohl nur so aus. Niemand bemerkt ihn wirklich. Die Menschen hier bemühen sich um kosmologische Welterklärungen.
Wo wird der Planet dermaleinst enden, in einem schwarzen Loch?
Palms surrealer Menschheitsabgesang geht mit viel Untergangshumor einher. Die Scherze sind allerdings nicht gerade die frischesten, Bilder abgegriffen und Geschlechterrollen stereotyp: Frauen kreischen für Avocados, Männer starten für Selchfleischknödel eine Polonaise. Chi Chi LaRue versus Schoissengeier Herbert sozusagen. Die szenisch collagierte Rätselhaftigkeit dieses Ortes, dieser Bewohner und ihrer in Schleifen wiederholten Erinnerungen fasziniert aber schon. Sie enthält viele Identifikationsangebote und Anknüpfungspunkte.

Margarete Affenzeller, Der Standard, 19.03.2022

Aber vorher tun wir so, als ob wir lebten

„Dystopische Horrorklamotte“: Uraufführung von Kurt Palms „This is the End, my Friend“ im Theater Phönix
Am Ende geht die große Bombe hoch. Beeindruckendes Donnergrollen, Regisseur und Autor Kurt Palm mag\'s nun einmal grell. So ganz kann man als Besucher die Gegenwart nicht ausblenden. Reale Ängste brodeln, aber sonst stimmt\'s. Palms Perspektive die grundsätzliche und im Besonderen die Sterblichkeit des Menschen. Und dessen (meine! deine!) Neigung, die Tatsache des Todes zu verdrängen.
Mit der penetranten Verdrängung beginnt - was? Die Komödie? Die Tragödie? Die Farce? Das - uh-huh! - Menschsein?
Palms Stück „This is the End, my Friend“ lockt nicht mit falschem Trost. Nur dezent angedeutet, dass der Mensch im Erzählen seiner Geschichte einen Funken Würde finden könnte. Ein Nichts an Würde in endloser Finsternis.
Raus aus dem Schlamassel holt uns die gute alte Kunst. Tut so, als sei das Ganze lustig. „What a wonderful world“, singt/krächzt Karl Ferdinand Kratzl und gedenkt der toten Mutter: „Ihr Fleiß, ihre Gebeine!“ Eine „dystopische Horrorklamotte“ nennt der Vöcklabrucker Palm sein Stück, Uraufführung war am Donnerstag im Linzer Theater Phönix. Das Szenario tragisch, trashig, ein Häuflein von acht Menschlein eingeschlossen in einem Raum. Was machen sie hier? Warten? Sicher nicht auf Godot! Georg Lindorfer mit King-Kong-Maske, eben hat er Godzilla verdroschen. Der sitzt jetzt auf dem Klo und heult.
Nadine Breitfuß, ganz Partygirl, auf der Suche nach der ultimativen Geburtstagsfete. In Wahrheit todunglücklich, nur sieben Follower auf Insta!
Pulverisiert von der Endlosigkeit ziehen Szenen wie Traumschwaden vorüber. Anna Maria Eder (viele Follower!) und Martin Brunnemann als zankendes Ehepaar, der Zank unendlich belanglos. Wer treibt\'s mit wem? Belanglos. „Danke für diesen guten Morgen“ im Chor, Weihnachten steht auch schon weder vor der Tür. Jetzt Werbung. In zehn hoch 17 Jahren (wahr oder nicht wahr?) tut auch das Universum seinen letzten Atemzug. Viel früher verbrutzelt die Sonne den geliebten Heimatplaneten. Wozu da noch Klimaschutz?
Kekserl & Selchfleischknödel
Stellenweise beginnt der Text in Wiederholungsschleifen zu mäandern. Eine hängengebliebene Schallplatte oder Nietzsches ewige Wiederkehr des Gleichen.
Glückskekse und Esoterik-Ausflüge (Trost!), welche Rolle hat eigentlich Ferry Öllinger? Unheimliche Gestalt, Lederfratze.
Ist „This is the End, my Friend“ nihilistisch? Ist ein Selchfleischknödel nihilistisch?
Schäbig-schöne Bilder gelingen (Ausstattung und Video: Michaela Mandel), groteske Dialoge. Man lacht, man würgt an diesem Stück. Zu sehr überlagert gerade die reale Realität die des Theaters. „So tun, als ob wir leben.“ Jawohl, weitermachen.
Der Applaus sehr okay.

Christian Pichler, Oberösterreichisches Volksblatt, 19.03.2022

Eine Achterbahn des Absurden

Uraufführung von Kurt Palms „This is the End, my Friend“ im Theater Phönix
Schräg, schräger, Kurt Palm: Der oberösterreichische Kult-Regisseur und Filmemacher („Bad Fucking“) wurde mit seinem neuen Stück „This is the End, my Friend“, das nun im Linzer Theater Phönix uraufgeführt wurde, seinem Ruf mehr als gerecht. Eine Achterbahnfahrt des Absurden für Fans und Mutige!
Ein Mann mit Gorillamaske kämpft gegen einen aufblasbaren T-Rex, eine Frau im goldenen Jumpsuit streichelt ihren toten Hund, und ein gruseliger Metzger/Arzt erzählt mit Genuss Geschichten von blutigem Verderben. So stellt sich Kurt Palm das Ende der Welt vor, an dem acht skurrile Gestalten durch den absurden bis philosophischen Text mäandern, während sie noch absurdere Dinge tun. Palm inszeniert das makabre Stück wie gewohnt ohne Tabus oder stringenten Handlungsstrang. Er bückt sich einerseits um Schmähs à la „Was ist eine Influencerin? Die weibliche Form der Grippe“, schiebt dann aber wieder eine Episode zu den Femiziden in Österreich ein, die beißend Kritik übt an der Untätigkeit der Politik.
In dieser Achterbahnfahrt am besten behaupteten sich bei der Uraufführung im Theater Phönix Anna Maria Eder als wütende Klimaschützerin, Sven Sorring mit zum Schreien komischer Paris-Episode und Ferry Öllinger als wahnwitziger Schlächter. In weiteren namenlosen Rollen: Nadine Breitfuß, Martin Brunnemann, Karl Ferdinand Kratzl, Georg Lindorfer und Erich Pacher. Für die passend schrille Ausstattung sowie die Videos sorgte Michaela Mandel, für die Live- Musik Armin Lehner. Ein Stück für alle, die Experimentelles lieben.

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung Oberösterreich, 19.03.2022