Trainspotting

Sujet: Norbert Artner
Premiere:
09.06.1998
Dauer:
-
Spielstätte:
Saal

Besetzung


Ausstattung
Monika Rovan

Kostüme
Ingrid Leibezeder


Lichtgestaltung
Alexander Böhmler

Steffen Höld
Steffen Höld
Ingrid Höller
© Margit Berger
Ingrid Höller
Sabine Kistler
Sabine Kistler
Regina Leitner
Regina Leitner
Max Mayer
Max Mayer
Marius Schiener
Marius Schiener
Andre Settembrini
Andre Settembrini
Christian Strasser
© Moritz Schell
Christian Strasser

Inhalt

Bei der Uraufführung von Irvine Welshs Theaterstück „Trainspotting" in Glasgow sind die Besucherinnen reihenweise in Ohnmacht gefallen, so nah wurde ihnen Höhepunkte und Elend der vier Junkies vorgeführt. Ein Stück zum Thema Heroinsucht, das sich des Phänomens nicht auf tranig sozialarbeiterische Weise nähert, sondern Highs und Downs, Flashes und Turkies darstellt, wie sie sind. Faszinierend und witzig einerseits, bestürzend andererseits. Ein Stück, das auch mit seiner hochliterarischen Sprache und Präzision besticht. „Trainspotting" lenkt den Blick allerdings nicht nur auf die Drogenszene im engeren Sinn, sondern zeigt auch die Gesellschaft, die Drogensucht eigentlich produziert. Und diese Gesellschaft kommt auch nicht gut weg in diesem sensationellen Stück. „Trainspotting“ ist kein Drogenstück. Es ist ein Stück über Sucht.

„Trainspotting" zeigt einen Zustand, es gibt keine Antworten, es verurteilt und wertet nicht. Es ist eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen, persönlichen, politischen Ursachen der Sucht.

Heroin ist die Droge Mark Rentons, der Erzählerfigur des Stückes. Heroin macht für Mark Renton alles andere gegenstandslos. „Wenn du an der Nadel hängst, hast du nur eine Sorge - wo kriegst du Stoff her. Aber wenn du davon runter bist, mußt du dir plötzlich über allen möglichen Scheiß Gedanken machen."

Für Mark Renton ist Heroin eine Notbremse. Es ermöglicht ihm, sich einer Gesellschaft zu entziehen, die Individuen fördert, die immer besser, schneller und reibungsloser funktionieren müssen. Einer Gesellschaft, die selbstbestimmtes Leben auf dem Altar des Konsums und der Warenwelt geopfert hat.

Das Thema des Stückes ist nicht die Heroinabhängigkeit als extremste Form der Sucht, sondern die Sucht an sich. Es ist für eine Gesellschaft einfacher Heroinabhängige auszugrenzen und zu stigmatisieren, als sich mit den eigenen Süchten und deren Ursachen auseinanderzusetzen.

"Trainspotting" ist ein "Spitzenstück". Es zeigt die extremsten Formen von Sucht, ohne den Blick von gesellschaftlich geduldeten Süchten und legalisierten Drogen abzulenken.

Norbert Artner
© Norbert Artner